Montag, 13. September 2010

~ Tag des offenes Denkmals ~



Quelle: www.stiftkeppel.de

Gestern waren meine Ma und ich in unserer ehemaligen Schule, um uns das Internatsmuseum anzusehen. Als wir dort waren, dürften wir diesen Bereich nicht betreten. Heute ist das Internat nicht mehr vorhanden.

Das Museum gibt es noch nicht so sehr lange, es wurde von einer ehemaligen Lehrerin liebevoll eingerichtet und gestaltet. Sie führte uns durch die Räume und erzählte von den Jahren am Anfang des 20. Jahrhunderts.

Gerne möchte ich Euch an einer historischen Exkursion teilhaben lassen....

Im Jahre 1910 wird "das Stift" als höhere Schule (Lyzeum und Oberlyzeum) anerkannt. Damals leben die sogenannten Stiftsdamen, die sowohl Lehrerin und auch Betreuerin waren, Tür an Tür mit ihren Zöglingen, so dass sie immer sofort zur Stelle sind.
Sie bewohnen zwei Räume.
Hier ist zunächst das Wohnzimmer

Ein kleiner Sekretär dient als Schreibtisch, und alle Arbeiten müssen dort erledigt werden.
Man sieht kleine runde Abdrücke auf der grünen Schreibunterlage, passend genau zum Tintenfass, einer Kaffeetasse (wie heute, der darf niemals fehlen), oder auch schonmal zu einem kleinen Likörglas... Stimme aus dem off: "...wer Sorgen hat, hat auch Likör.."

Dieser Vitrinenschrank ist gefüllt mit altem Porzellan aus der Zeit um 1871. Es wird gestiftet von Königin Elisabeth, die die Schirmherrschaft für die "Keppelsche Schul-und Erziehungsanstalt" für Mädchen mit angeschlossenem Internat übernimmt. Fast alles Mobiliar und Inventar wird aus der Privatschatulle des Königs bezahlt.

Nebenan befindet sich ein kleines Schafgemach mit gerade mal Platz für ein Bett, einen kleinen Waschtisch und einen Schrank.


Auf gleichem Flur mit den Damen leben die Zöglinge (die heißen wirklich so). Vier Mädels in einem Schlafraum und einem kleinen Vorraum mit Schreibgelegenheit und schmalen Schränken für die persönlichen Sachen.

Man stelle sich vor, wie vier Schülerinnen hier ihre Aufgaben machen....

Der Schlafraum, die Betten ordentlich gemacht, die Nachtwäsche bereitgelegt..Es gibt für Jede einen Kleiderständer, der nur jeweils ein Kleid enthalten darf, wegen der Eitelkeit. Das spartanische und bescheidene Leben ist oberstes Gebot.....

Abgetrennt durch Vorhänge gibt es für jede Bewohnerin eine Waschgelegenheit...

Schwerpunktmäßig werden Englisch, Französisch, Deutsch und Naturwissenschaften unterrichtet. Hausfrauliche Unterweisung wird nicht vernachlässigt, hat aber einen untergeordneten Rang. Das bedeutet, dass die Zöglinge ihre Räumlichkeiten sauber zu halten haben und auch regelmäßig die Schulräume staubwischen müssen. Tisch decken und Küchendienst sind selbstverständlich.....

Alles in allem ein sehr interessanter Ausflug in vergangene Zeiten...zumal ich ca. 60 Jahre später eine doch ganz andere Welt erleben durfte. Meine Ma war dort in den frühen 50ern, sie wußte auch noch von ähnlichen Gepflogenheiten zu berichten....

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